Cloud Generation Windows Server   Leave a comment

Die Consumer Preview von Windows 8 mischt die Netzgemeinde auf. Doch Microsoft hat auch im Server-Bereich jede Menge Neuheiten am Start. Windows Server 8 alias Windows Server 2012 soll vor allem beim Weg in die Cloud helfen.

Windows Server 2012: Alle Neuheiten

Anders als bei Windows 8 war Microsoft rund um den nächsten Windows Server nicht so aussagefreudig. Dabei hat man in Redmond sämtliche Kräfte gebündelt und den Windows Server 2012 mit rund 300 neuen Features aufgebohrt. Wie bei Windows 8 ist auch Windows Server 8 noch eine Beta, neue Features sind also ebenso möglich wie das Verschwinden aktueller Funktionen im fertigen Produkt.
Auch der Name ist noch nicht offiziell, Experten gehen aber davon aus, dass Microsoft beim bekannten Schema bleibt und das fertige Produkt als Windows Server 2012 auf den Markt bringt, nicht Windows Server 8, wie momentan der Codename lautet.
Beta zum Download
Microsoft bietet für interessierte Nutzer die Beta-Version von Windows Server 2012 zum Download an. Die Server-Software gibt es nur als 64-Bit-Version, wahlweise aber als ISO- oder VHD-Datei.

Virtualisierung: Mehr Power für Hyper-V

Microsoft lässt keine Gelegenheit aus, um für die eigene Cloud-Strategie zu werben. Doch wer braucht dann noch einen eigenen Windows Server? Die Hybrid-Clouds sollen es richten, hier will Windows Server 2012 punkten.

Mehr Power: Virtuelle Maschinen können 16 CPUs und mehr nutzen.

Mehr Power: Virtuelle Maschinen können 16 CPUs und mehr nutzen.

Im Windows Server 2012 wird die nächste Virtualisierungsgeneration Hyper-V 3.0 stecken. Damit will Microsoft dem Konkurrenten VMware so richtig an die Karre fahren und mit Highend-Features punkten. Eines der Highlights: Die virtuellen Maschinen sollen sich mit wesentlich mehr Hardware-Power bestücken lassen, sodass auch Systeme mit hoher Last virtualisiert werden können. Als Beispiel zeigte Microsoft auf der Partnerkonferenz einen SQL Server in Hyper-V, der mit 16 virtuellen Prozessoren rechnete. Die Endausbaustufe soll derzeit bei 32 virtuellen Prozessoren erreicht sein, dazu sind 512 GByte RAM pro VM möglich. Wie Jeff Woolsey, Virtualisierungsspezialist von Microsoft gegenüber CHIP Online betonte, ist diese Grenze aber nicht unüberwindbar. Die Hardware-Ausstattung der VM soll bald nur noch an den physikalischen Hardware-Grenzen enden.
Netz- und Speicher-Tuning
Neben CPU- und RAM-Ausstattung hat Microsoft Hyper-V 3 auch im Blick auf Netzwerk- und Speicher-I/O optimiert. So werden langsame Netzwerk- oder Storage-Schnittstellen nicht automatisch zum Flaschenhals. So kann man Netzwerk-Karten mit wenigen Klicks als Team an den Start bringen. Durchsatz-Benchmarks mit TPC-E stellte Microsoft ebenfalls bereit. Demnach sollen sich mit virtuellen Maschinen bis zu 95 Prozent der Performance des physischen Unterbaus erreichen lassen.

Replikation eingebaut: Virtuelle Maschinen lassen sich ohne Spezial-Hardware replizieren.

Replikation eingebaut: Virtuelle Maschinen lassen sich ohne Spezial-Hardware replizieren.

 

Hyper-V Replica
Eine weitere Neuheit in Hyper-V ist eine Funktion namens Replica. Sie soll dafür sorgen, dass man virtuelle Maschinen mit wenigen Mausklicks in Hyper-V replizieren kann. Das bedeutet: In Windows Server 2012 kann man eine virtuellen Maschine via Kontextmenü oder Zeitplaner auf einen anderen Server kopieren. Einzige Voraussetzungen sind dabei: Auf dem anderen Server muss auch Hyper-V laufen und dazwischen muss es eine aktive Netzwerkverbindung geben, über die die Server sich abgleichen. Der Vorteil: Teure Spezial-Hardware braucht man nicht.

Live-Migration verbessert
Die Live-Migration von virtuellen Maschinen war das Highlight im Vorgänger von Hyper-V 3. Die Einschränkung ist aber bisher, dass nur immer genau eine virtuelle Maschine im laufenden Betrieb umgezogen werden kann. Diese Grenze gibt es jetzt nicht mehr. Apropos Grenze: Auch rund um die Cluster-Fähigkeiten reißt Microsoft mit Windows Server 2012 die bekannten Mauern ein. So gibt es jetzt eine Failover-Priorisierung. Sprich man kann bestimmen, welche virtuellen Maschinen am wichtigsten sind. Bei einem Hardware-Ausfall verschiebt Hyper-V die VMs entsprechend dieser Priorisierung.

Sicherheit: Zugriffsschutz umgekrempelt

Sicherheit ist auch bei Windows Server 2008 R2 keine Baustelle mehr. Windows Server 2012 legt aber an einigen Stellen nach. Das Highlight: Dynamic Access Control krempelt den Zugriffsschutz so richtig um.

Hakelig: Zugriffsschutz verlangt Admins derzeit viel Fingerspitzengefühl ab.

Hakelig: Zugriffsschutz verlangt Admins derzeit viel Fingerspitzengefühl ab.

Wer Windows Server als File-Server einsetzt, kriegt mit Dynamic Access Control ein cooles neues Feature spendiert. Dateien lassen sich mit sogenannten Identity-Tags versehen. Dort steht beispielsweise drin, dass eine Datei in Abteilung xy erstellt wurde. Zugriff haben dann entsprechend nur Mitarbeiter aus dieser Abteilung. Klingt simpel, die Stärken des Konzepts liegen aber in der Verfeinerung: So kann man beispielsweise festlegen, dass nur Nutzer von bestimmten Geräten aus auf die Dateien zugreifen dürfen oder wenn man aus dem lokalen Netzwerk zugreift. Geräte-Attribute landen dann einfach mit im Security-Token. Microsoft zeigt dabei auch ein Herz für Admins, die sich mit Nutzern rumschlagen müssen, die auf bestimmte Dateien keinen Zugriff haben: Statt einer sinnlosen Fehlermeldung kriegen Nutzer die Möglichkeit, den Admin direkt zu benachrichtigen, wenn sie auf eine Datei nicht zugreifen können. Der Admin erhält dann eine Mail mit allen wichtigen Informationen rund um Nutzer und die Datei.

Bitlocker im Cluster: Verschlüsslung funktioniert jetzt auch im Cluster.

Bitlocker im Cluster: Verschlüsslung funktioniert jetzt auch im Cluster.

 

Bitlocker im Cluster
Bisher mussten sich Kunden entscheiden: Entweder Verschlüsselung mit Bitlocker oder Ausfallsicherheit durch einen Cluster. Jetzt geht endlich beides. Windows Server 2012 verschlüsselt auch virtuelle Maschinen im Cluster. Das ist vor allem dann ein Vorteil, wenn man sensible Daten bei einem Cloud-Anbieter speichert.

Mit oder ohne: Standard-Installation ist beim Server die Variante ohne grafische Oberfläche.

Mit oder ohne: Standard-Installation ist beim Server die Variante ohne grafische Oberfläche.

Auf Wiedersehen GUI
Linux-Nutzer werden sich auf die Schenkel klopfen. Microsoft hat erkannt, dass es eigentlich nicht besonders vorteilhaft ist, Server mit einer grafischen Oberfläche auszustatten. Im Gegenteil, die GUI liefert nur zusätzliche Angriffspunkte. Der neue Standardweg bei Windows Server 2012 ist eine Installation ohne grafische Oberfläche. Wer möchte, kann sich aber den Grafik-Stack trotzdem über die Installation kippen. Ein Problem umschifft Microsoft aber sehr elegant. So packt es zwar den Explorer nicht in die Server-Installation, die Fernadministration via Server-Manager klappt aber trotzdem.

Easy Management: Server-Manager und Powershell

Mit Virtualisierung bringt man kinderleicht neue Server an den Start. Windows Server 2012 liefert jetzt auch die Werkzeuge für einfache Verwaltung mit. Neben dem neuen Server-Manager soll es vor allem die Powershell richten.

Metro Manager: Server Manager zeigt sich im Metro-Style von Windows 8.

Metro Manager: Server Manager zeigt sich im Metro-Style von Windows 8.

Ein Hauch von Metro weht auch auf dem Server. Der neue Server-Manager gruppiert die vorhandenen Server übersichtlich in einem Dashboard. So hat man die drei Fileserver neben den Webservern und auch Datenbanken und Exchange sind fein säuberlich getrennt. Über kleine Benachrichtigungs-Symbole sieht der Admin sofort, wenn es Probleme mit seinen Servern gibt. Ein Klick auf eine Benachrichtigung bringt dann die Details zum Vorschein. Hier packt Microsoft recht viel Informationen zusammen, für hauptberufliche Admins ist das wohl in Ordnung, wer nebenbei ein paar Server verwaltet, wird sich aber noch etwas mehr Ordnung out of the Box wünschen. Denn filtern kann man selbst am besten und sich etwa kritische Fehler oder bestimmte Ereignisse schnell anzeigen lassen. Die Arbeitsweise von Server-Manager ist dabei nicht an einzelnen Servern ausgerichtet, vielmehr versucht Microsoft bestimmte Szenarien, etwa Fernzugriff für externe Mitarbeiter, in den Mittelpunkt zu stellen.

Powershell: Mit rund 2300 Cmdlets gibt die Powershell Gas.

Powershell: Mit rund 2300 Cmdlets gibt die Powershell Gas.

Power für die Shell
Als Microsoft seine Powershell eingeführt hat, haben sich viele Admins gefreut. Endlich eine leistungsfähige Shell, wie man sie von Linux gewohnt ist. Viele Admins nutzen die Shell nach Untersuchungen von Microsoft aber überhaupt nicht. Microsoft legt deswegen bei den vorgefertigten Cmdlets nach. Rund 2300 dieser Scritps stecken in Windows Server 2012. Über WMI soll sich auch eine neue Art von Cmdlets entwickeln lassen, die sogenannten Workflows. In ihnen werden mehrere Aktionen geschickt verknüpft und dann per Powershell an mehrere Server parallel geschickt. Wie ernst es Microsoft mit der neuen Powershell meint, zeigt sich auch im Hypervisor. Auch er ist vollständig Powershell-kompatibel.

Powershell schnell lernen
Microsoft hat einige Energie darauf verwendet, Admins die Vorzüge der Powershell nahe zu bringen. So kann man etwa Befehle, die man im Server-Manager absetzt, über eine History im Powershell-Syntax abrufen. So kann man ohne langes Doku-Lesen schnell mit der Powershell rumspielen. Microsofts Wunsch: Admins sollen die Scheu vor der Kommandozeile verlieren.

Speichermonster: Größer, schneller, billiger

Unternehmen jeder Größenordnung kennen das Problem, Speicher kann man nicht genug haben. Doch mit der bloßen Anhäufung ist es nicht getan, man will auch möglichst alle Features auf preiswertem Speicher nutzen können.

Tief im Dateisystem hat Microsoft für Windows Server 2012 ein paar spannende Änderungen gemacht: So sind jetzt NTFS-Festplatten mit bis zu 64 TByte möglich. Diese entstehen natürlich erst, wenn man physikalische Festplatten in einem Pool zusammenfasst. Bei den aktuellen 3 TByte-Modellen ist das keine allzu ferne Aufgabe.

Dateifreigaben reloaded: Mit SMB 2.2 legt Windows Server 2012 bei Netzlaufwerken nach.

Dateifreigaben reloaded: Mit SMB 2.2 legt Windows Server 2012 bei Netzlaufwerken nach.

SMB 2.2
Ein Datenbank-Server in einer virtuellen Maschine auf einem Netzlaufwerk? Geht nicht sagen Sie? Ging nicht, mit Windows Server 2012 implementiert Microsoft SMB 2.2 und das ist eines der neuen Einsatz-Szenarien. Außerdem lassen sich mehrere TCP-Channels pro Session bündeln (Mutlichannel) und es gibt einen sogenannten Transparent Failover. Die Idee dahinter sind redundante SMB-Verbindungen, die im Fehlerfall innerhalb von höchstens 15 Sekunden umschalten. Fällt also beispielsweise ein File-Server aus, dann werden sämtliche Teilnehmer auf ein Zweitsystem umgeschaltet.

NTFS-Nachfolger: ReFS ist im Windows Server 2012 am Start.

NTFS-Nachfolger: ReFS ist im Windows Server 2012 am Start.

NTFS-Nachfolger im Gepäck
Mit Windows Server 2012 zeigt Microsoft auch einen Vorgeschmack auf den NTFS-Nachfolger. ReFS lässt sich über die Datenträgerverwaltung für Volumes aktivieren. Am besten testet man ReFS erst einmal mit einem virtuellen Datenträger. Microsoft gibt an, dass die Zugriffs-APIs von NTFS weitgehend für ReFS weiterverwendet werden. ReFS erlaubt größere Volumes, schnelleren Zugriff und mit Copy-on-write ist es zuverlässiger als NTFS.

 

Tuning: Kleine Verbesserungen, große Wirkung

Rund 510 Millionen US-Dolllar will Microsoft in die Marktforschung für Windows Server 2012 gesteckt haben. So wollen sie gezielt herausgefunden haben, welche Verbesserungen Kunden wollen.

Speicher wird zwar immer billiger, Microsoft hat aber auf seine Kunden gehört, die mit den vorhandenen Ressourcen einfach länger auskommen wollen. Das sogenannten Data Dedublication spart Speicherplatz, denn sie vergleicht den Inhalt von Dateien. Gleiche Blöcke werden nicht mehrfach gespeichert, sondern nur einmal. Möglich macht das ein NTFS Dateisystem-Filter, der nicht die Dateien als ganzes vergleicht, sondern einzelne NTFS-Blöcke als Einheit heranzieht. Vorteil: Die Technik funktioniert unabhängig vom Dateityp. Am meisten Einsparpotenzial lauert natürlich bei großen Files, die sehr ähnlich aufgebaut sind, etwa ein Testpool mit vielen virtuellen Maschinen mit ähnlicher Ausstattung.

 

Standby und Hyper-V
Lang erwartet, endlich da: Hyper-V-Hosts können jetzt endlich in den Standby wechseln. Bisher verhinderte ein installierter Hypervisor die Energiesparfunktion. Mit einem Registry-Trick ließ sich diese zwar wieder aktivieren, aber niemals gleichzeitig mit Hyper-V nutzen. Das hat Microsoft jetzt in Windows Server 2012 geändert.

Verkürzung: Chkdsk-Durchläufe sind in Windows Server 2012 deutlich verkürzt.

Verkürzung: Chkdsk-Durchläufe sind in Windows Server 2012 deutlich verkürzt.

 

Chkdsk mit Nachbrenner
Wer große Speichersysteme betreibt, fürchtet Chkdsk wie der Teufel das Weihwasser. Der Grund: Bei einem Dateisystemfehler muss der Speicher offline genommen werden, bis ihn das Systemtool repariert hat. In einer typischen Office-Umgebung muss man pro 100.000 Dateien mit rund 100 Minuten Offline-Zeit rechnen. Diese Zeit konnte Microsoft mit Windows Server 2012 drastisch reduzieren. In einer Demo dauerte die Reparatur nur noch 8 Minuten. Die Verkürzung schafft Microsoft durch einen einfachen Trick. Statt wie bisher Überprüfung und Reparatur offline durchzuführen, prüft der neue Windows Server das Dateisystem im laufenden Betrieb. Erst wenn Fehler gefunden werden, ist ein Neustart und eine anschließende Offline-Reparatur nötig.

Fazit: Windows Server gibt Gas

Microsoft kann es noch: Konnte man in der Vergangenheit locker bis zum ersten Service-Pack warten, bis man sich einen neuen Windows Server angesehen hat, so macht die Beta von Windows Server 2012 einen klasse Eindruck.

Dynamisches Duo: Server Manager und Powershell hat Microsoft stark überarbeitet.

Dynamisches Duo: Server Manager und Powershell hat Microsoft stark überarbeitet.

Viel ist noch unbekannt rund um den Windows Server 2012. Genauer Name, Preise, Erscheinungstermin, Anzahl der Editionen, Hardware-Voraussetzungen, Features, alles kann sich noch einmal ändern. Doch Fakt ist, in der Beta macht Windows Server 2012 einen erstklassigen Eindruck. An sinnvollen Kleinigkeiten wie den Verbesserungen bei Chkdsk zeigt Microsoft, dass es auf Kunden-Feedback hört.
Angriff auf VMware
Die Strategie für Windows Server 2012 zeigt klar in Richtung Cloud. Mit Hyper-V 3.0 haben Unternehmen alles an der Hand, um ganz oder teilweise in die Cloud zu gehen. Mit der breiteren Hardware-Unterstützung lassen sich recht preiswert ausfallsichere Systeme bauen. Der Feature-Vorsprung von VMware schmilzt, beim neuen Fiber-Channel-Support hat Hyper-V sogar die Nase vorn.
Pflichtupdate für die Großen
Bis jetzt tut sich der neue Windows Server mit jeder Menge cooler neuer Features hervor. Wer Highend-IT braucht, ist hier richtig. Doch gilt das auch für den Mittelstand und kleine Unternehmen? Interessant sind vor allem Features, die Geld sparen und trotzdem viel Leistung bringen, beispielsweise die Möglichkeit bei Hyper-V auf preiswerte Netzlaufwerke auszuweichen. Weniger spektakulär ist Windows Server 2012 im Kleinunternehmen: ohne Virtualisierung, Cluster-Ambitionen und Hochverfügbarkeit gibt es derzeit noch wenig Argumente für das Update.

Advertisements

Veröffentlicht 15. März 2012 von Bobelle in Aktuelles

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: