Implantation Knieprothese   1 comment

Künstliches Kniegelenk – Nach der Operation (Nachsorge und Rehabilitation)

Ergebnis nach Knie TEP / Endoprothetik am Kniegelenk

Ergebnis: Zunächst besteht nach der Operation eine gewisse Schwellneigung des Kniegelenkes und gelegentlich auch eine Hämatombildung (Bluterguß). Direkt nach der Operation ist die Beweglichkeit des Kniegelenkes deshalb schmerz- und schwellungsbedingt für einige Tage eingeschränkt. Als Endresultat stellt sich in 95% der Fälle Schmerzfreiheit, in 40% ein normales Kniegefühl, in 98% Stabilität und eine Gehstrecke von über 5 km, Treppengehen und ein hinkfreies Gangbild ein. In aller Regel ist die Beweglichkeit in der Beugung des Kniegelenkes ca. 110° bei vollständiger Streckung.

Kontrolltermine: Der erste Kontrolltermin findet am Tag nach der Operation statt. Der Operateur besucht den Patient regelmäßig auf Station während des stationären Aufenthaltes. Nach Abschluss der in der Regel 3-wöchigen stationären oder ambulanten Rehabilitation stellt sich der Patient erneut beim Operateur vor. Die Entfernung des Nahtmaterials findet üblicherweise ca. 14 Tage nach der Operation statt. Nach der Operation erfolgt eine Röntgenkontrolle des betreffenden Kniegelenkes in 2 Ebenen.

Einschränkungen nach der Operation: Der Patient soll nach der Operation das Bein auf einer speziellen Schiene Hochlagern, lokale Eisbehandlungen oder Wärmebehandlungen durchführen und entzündungshemmende Schmerzmedikamente einnehmen. Die Mobilisation erfolgt schon am ersten Tag nach der Operation, indem der Patient mit Hilfe aufsteht und die ersten Schritte geht. Am zweiten Tag nach der Operation werden in aller Regel die Drainageschläuche entfernt. Bei zementierten Kniegelenksprothesen ist nach 1 Woche Vollbelastung erlaubt. Bei nicht zementierten Prothesenanteilen ist die Vollbelastung nach ca. 3 Wochen in Abhängigkeit von der Knochenqualität möglich. In manchen Häusern wird eine längere Teilbelastung zur Unterstützung der Wundheilung der Weichteile favorisiert. Für die erste Woche nach der Operation sind die Wegstrecken auf das Notwendigste zu reduzieren, um Schmerzen und Schwellungen im Rahmen zu halten. Bei der regelmäßigen krankengymnastischen Übungsbehandlung während des stationären Aufenthaltes werden isometrische Anspannungsübungen im Liegen durchgeführt. Es erfolgt eine systematische Kräftigung der Arm- und Beinmuskulatur. In der Motorschienenbehandlung wird das Bein passiv kontinuierlich durchbewegt. Es erfolgt eine Gangschulung und aktive Bewegungsübungen des Sprunggelenkes. Zusammen mit der Physiotherapie wird Treppensteigen geübt und das Bewegungsausmaß während des stationären Aufenthaltes bis 90° Beugung gesteigert. Tipp: Der Patient ist 1 Woche nach der Operation in der Regel an zwei Unterarmgehstützen mobilisiert. Im Anschluss ist der Patient in aller Regel 3 Wochen in einer stationären oder teilstationären Rehabilitation. Bei teilstationärer Versorgung hat es sich bewährt, für den Zeitraum von 4 Wochen nach der Operation eine Unterstützung im Haushalt oder bei Tätigkeiten wie z.B. Einkaufen zu bekommen.

Schmerzen und Narben nach der Operation: Die Patienten haben aufgrund des sogenannten 3-in-1-Blockes (Betäubung von Beinnerven) in aller Regel direkt nach der Operation keine oder wenig Schmerzen. Der Schmerzkatheter wird in aller Regel ca. 2-3 Tage belassen. Mit oraler Schmerzmedikation, bestehend aus einer Kombination unterschiedlicher Schmerzmedikamente, sind die Schmerzen danach in aller Regel gut behandelbar. Die Lokalisation der Schmerzen ist üblicherweise auf das Operationsgebiet beschränkt.

Nach der Operation haben die Patienten eine ca. 12-15 cm lange Narbe in Längsrichtung vorne über dem Kniegelenk bzw. der Kniescheibe.

Medikamente nach der Operation: Der Patient nimmt in aller Regel ca. 2-3 Wochen nach der Operation Schmerzmedikamente zu sich. Die Schmerzen nehmen ca. 1 Woche nach der Operation sukzessive ab. Die Art der Schmerzmedikation richtet sich nach den individuellen Gegebenheiten der Patienten. Bei bekannten Unverträglichkeitsreaktionen müssen im Einzelfall modifizierte Schmerztherapieschemata entwickelt werden. Liegt keine Unverträglichkeitsreaktion vor, hat sich eine Basismedikation mit z.B. Ibuprofen 600mg 3×1 und Novaminsulfon Tropfen bei Bedarf bewährt. Die Schmerzmedikamente werden schmerzadaptiert in absteigender Dosierung gegeben. Neben der Schmerzmedikation ist eine Thromboseprophylaxe notwendig. Diese wird in aller Regel mit einer täglichen Spritze unter die Haut (z.B. in den Bauch oder Oberschenkelbereich) gegeben. Die Thromboseprophylaxe wird üblicherweise bis ca. 4 Wochen nach der Operation gegeben. Zur Vermeidung von Magenschleimhautreizungen durch die Schmerzmedikation ist begleitend ggf. ein Magenschutzpräparat sinnvoll.

Rehabilitation / Physiotherapie: Nach Implantation einer Knietotalendoprothese ist in aller Regel eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme für ca. 3 Wochen erforderlich. Grundsätzlich ist auch eine teilstationäre bzw. ambulante Rehabilitationsmaßnahme vorstellbar. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen.

Nach intensiver stationärer oder teilstationärer bzw. ambulanter Rehabilitation soll in aller Regel 4 Wochen postoperativ eine ambulante Weiterführung der Krankengymnastik zur Steigerung der Beweglichkeit und Muskelkräftigung durchgeführt werden. Die erlernten Übungsbehandlungen sind von dem Patienten für ca. 1 Jahr postoperativ weiterzuführen.

Dauer der Heilung: Die oberflächliche Wundheilung ist ca. 2 Wochen nach der Operation abgeschlossen. Der Patient kann danach auch Anwendungen im Wasser durchführen.

Die volle Belastbarkeit des operierten Kniegelenkes ist ca. 4-6 Wochen nach der Operation gegeben. Weitere Gehstrecken wie z.B. Wanderungen sind in aller Regel 8 Wochen nach der Operation möglich. Bei sportlichen Belastungen gilt es stoßartige Belastungen oder Belastungen mit abruptem Richtungswechsel zu vermeiden. Geeignete Sportarten sind Wandern, Walking, Skilanglauf, Radfahren, Schwimmen, Rudern. Bedingt geeignete Sportarten sind Golf, Kegeln, Segeln, Jogging, Leichtathletik. Nicht geeignete Sportarten sind Alpinski, Ballspiele, Reiten, Tennis. In den letzten Jahren hat sich allerdings gezeigt, dass die Belastbarkeit der Gelenke bei sportlichen Belastungen doch höher ist als bislang angenommen.

Krankschreibung: Die Dauer der Krankschreibung variiert stark je nach beruflicher Belastung. Patienten mit Bürotätigkeit können nach ca. 2 Monaten Ihren Beruf aufnehmen. Patienten mit Stehberufen (z.B. Verkäuferinnen) sind in aller Regel ca. 3 Monate krankgeschrieben. In Einzelfällen ist eine stufenweise Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess möglich und sinnvoll. Dabei wird individuell die Arbeitszeit wochenweise erhöht, so dass die Patienten z.B. zunächst 2 Stunden pro Tag arbeiten, dann 4 Stunden, dann 6 Stunden und dann vollschichtig.

Hinweis für ein optimales Operationsergebnis: Ein wesentlicher Anteil an dem Erfolg einer Operation liegt auch in den Händen der Patienten. Sollte sich der Patient nicht an die Vorgaben des Arztes zur Nachbehandlung halten, ist das Operationsergebnis insgesamt gefährdet. Bei zu früher und intensiver Belastung kann es zu Schwellungen und Wundheilungsstörungen kommen. Im Extremfall kann auch die Narbe aufbrechen. Werden wiederum die Mobilisationsübungen des Kniegelenkes nicht in ausreichendem Umfang durchgeführt, kann es zu einer vorübergehenden oder dauerhaften teilweisen Einsteifung des Kniegelenkes kommen. Bei übermäßiger Belastung des Gelenkes kann es zu einem vorzeitigen Abrieb der Kunstoffscheibe zwischen den Metallkomponenten kommen. Bei dauerhaften massiven Stoß- und Rotationsbelastungen kann es auch zu einer vorzeitigen Lockerung der Prothesenkomponenten kommen. Es ist insgesamt empfehlenswert ca. 1x pro Jahr zu einer ärztlichen Kontrolle zu erscheinen, bei der auch eine Röntgenkontrolle des Kniegelenkes durchgeführt werden sollte.

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Veröffentlicht 2. Juli 2012 von Bobelle in Mein Blog

Eine Antwort zu “Implantation Knieprothese

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  1. Werde bald am Knie operiert und bekomme eine knieprothese eingesetzt. Deswegen bin ich für diese Informationen sehr dankbar – bin momentan auf der Suche nach vielen Informationen diesbezüglich um meine Angst vor der OP und dessen Nachwirkungen zu verkleinern.

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